
Ob „Schwarzwaldklinik“, „Grey’s Anatomy“ oder „In aller Freundschaft“: In Krankenhausserien dürfen komplizierte Liebesbeziehungen, Intrigen, dramatische Wendungen und große Emotionen nicht fehlen. Dass dies wenig mit der Realität eines Universitätsklinikums zu tun hat, verdeutlichte ein Blick hinter die Kulissen der Universitätsmedizin Mainz, dem einzigen Universitätsklinikum in Rheinland-Pfalz. Rund 20 BdKom-Mitglieder hatten Mitte August 2025 die Möglichkeit, mehr über die Arbeitsweisen des Klinikums, die Kommunikation im OP und die vielfältigen Kommunikationsformate des #TeamUM zu erfahren.
Zwischen Spezialisierung und Stadtkrankenhaus
In einem spannenden Impulsvortrag erläuterten Sebastian Tensing, Leitung OP-Management, und Univ.-Prof. Dr. Axel Haferkamp, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, die besondere Rolle der Universitätsmedizin Mainz. „Wir sind der einzige Supramaximalversorger in Rheinland-Pfalz, also das ranghöchste Krankenhaus. Zu uns kommen daher vor allem hochkomplexe Fälle, die nirgendwo sonst in Rheinland-Pfalz behandelt werden können“, erklärte Haferkamp. Damit bewegt sich das Klinikum in einem Spannungsfeld zwischen hochspezialisierter Versorgung und der Funktion als Mainzer Stadtkrankenhaus auf der einen sowie Forschung und Lehre auf der anderen Seite. „Ein sehr spannendes Umfeld, da kein Tag dem anderen gleicht“, so Haferkamp weiter. Rund 9.000 Menschen arbeiten in den mehr als 60 Kliniken, Instituten und Abteilungen der Mainzer Universitätsmedizin und erwirtschafteten 2024 einen Umsatz von über 1 Milliarde Euro.
Der OP als Motor des Universitätsklinikums
Auch wenn die Universitätsmedizin Mainz vom Land Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt wird, spielt Wirtschaftlichkeit im Klinikalltag eine große Rolle. Ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg sei der OP, betonte Tensing. Als Leiter des OP-Managements ist es seine Aufgabe, diesen bestmöglich auszulasten. „Der OP ist im übertragenen Sinne der Motor der Universitätsmedizin und zugleich eine der teuersten Einheiten in einem Krankenhaus. Eine OP-Minute kostet durchschnittlich zwischen 20 und 60 Euro je nach Fachrichtung. Das bedeutet für uns als OP-Management: Der OP muss effizient genutzt werden.“ Dabei sei die größte Herausforderung, dass aufgrund des hohen Notfallaufkommens viele OP-Termine in der Universitätsmedizin nicht langfristig planbar sind. „Wer einen schweren Autounfall hatte, muss natürlich direkt operiert werden. Für uns heißt das: umdisponieren und Operationen je nach Dringlichkeit verschieben“, so Tensing weiter. Das sei nicht nur ein organisatorischer, sondern auch ein kommunikativer Akt. Wenn eine geplante OP kurzfristig verlegt wird, führt das oftmals zu Ärger bei allen Beteiligten, insbesondere den betroffenen Patient:innen. Eine klare Regelung der Prozesse, Befugnisse und Verantwortlichkeiten, proaktive Kommunikation, Verständnis sowie Transparenz seien hier entscheidend.
Sommerloch? Fehlanzeige!
Die Kommunikationsabteilung der Universitätsmedizin möchte nicht nur aktuelle Patient:innen und Angehörige informieren, sondern eine breite Öffentlichkeit über die eigene Arbeit aufklären, Ängste nehmen und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. In den sozialen Medien steht vor allem der Aufenthalt in der Notaufnahme häufig in der Kritik, was mit Blick auf die jeweilige persönliche Situation manchmal zwar verständlich, aber aufgrund der vielen Notfälle selten gerechtfertigt sei, wie Martha Lubosz, Social-Media-Managerin des Uniklinikums, erläuterte. Dem stellt ihr Team eine Kommunikationsstrategie entgegen, die Lubosz als „Content mit Herz“ beschreibt. Persönliche Postings, ehrliche Aussagen der Mitarbeitenden im Krankenhaus und Porträts von Menschen, an die man beim Thema OP selten denkt, wie etwa die dringend benötigten Reinigungskräfte – so soll ein freundliches und den Menschen zugewandtes Bild entstehen. „Für uns sind das echte Geschichten, echte Gesichter von Mitarbeitenden und echte Einblicke in unsere Arbeit“, so die Social-Media-Managerin.
Dass diese Strategie aufgeht, zeigt der TikTok-Kanal des Universitätsklinikums. Er ging im November 2024 an den Start richtet sich gezielt an zukünftige Auszubildende. Neben TikTok bespielt die Unimedizin auch Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn, betreibt Wissenschaftskommunikation, interne Kommunikation und klassische Medienarbeit. „Besonders stolz bin ich, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich freuen, dass ihre Arbeit damit sichtbarer wird und ihre Expertise gefragt ist – sei es beim Format „Frag das #TeamUM“, bei dem medizinisches Personal Fragen von Follower:innen in sozialen Netzwerken beantwortet oder bei #InsideUM, einem Format, bei dem der Vorstandsvorsitzende Mitarbeitende interviewt. Bei so viel thematischer Variation komme keine Langeweile auf, so Lubosz. „Ein Sommerloch gibt es weder im Krankenhausbetrieb noch in der Kommunikation.“
Im Anschluss: Zeit fürs Networking
Nach dem spannenden Einblick in die (Kommunikations-) Arbeit der Universitätsmedizin Mainz folgte ein weiteres Highlight des Abends: In einer nahegelegenen Mainzer Brauerei konnten die BdKom-Mitglieder bei leckerer Pizza weiter mit Martha Lubosz ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen und bestehende auffrischen. Kurzum: Ein gelungener Start in die zweite Jahreshälfte!
Von: Judith Alpmann