
BdKom zu Gast bei der Deutschen Bundesbank
Jahrzehntelang glichen die Deutsche Bundesbank und ihr markantes Hochhaus im Frankfurter Stadtteil Ginnheim eher einer Festung. Zutritt nur für Mitarbeitende und ausgesuchte Gäste. Immerhin lagert dort ja auch ein Teil der deutschen Goldreserven im Keller. Doch während die Barren noch am gewohnten Ort sind, mussten die Währungshüter in die Frankfurter City umziehen, weil eine große Sanierung des Gebäudes anstand. Ein guter Anlass, auch den Zugang zur Bundesbank für die Normalbürgerinnen und -bürger zu vereinfachen – mit einem gläsernen, einladenden „EuroPavillon“, in dem viele Veranstaltungen dazu dienen, den Menschen die Arbeit der Währungshüter näher zu bringen.
Wer in diesen EuroPavillon eintritt, merkt schnell: Die Deutsche Bundesbank will nicht nur erklären, was sie tut – sie will mit allen ins Gespräch kommen. Für rund 40 Mitglieder der BdKom-Landesgruppe Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland war der Besuch Mitte April 2026 eine Gelegenheit, Kommunikationsstrategien einer Institution kennenzulernen, die zwar politisch unabhängig agiert, aber auf öffentliche Akzeptanz angewiesen ist.
Astrid Lipfert aus dem Kommunikationsteam erläuterte zu Beginn, wie sich die Kommunikation von Notenbanken in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert hat. Stand früher eher Zurückhaltung im Vordergrund – nach dem Credo von US-Notenbankchef Alan Greenspan, Märkte möglichst zu „überraschen“ –, setzte sich
später zunehmend ein anderer Trend durch: Notenbanken sollen Entscheidungen nachvollziehbar erklären und Erwartungen an Zins- und Inflationsentwicklung aktiv mitsteuern.
Dahinter steht eine klare Erkenntnis: Mehr Transparenz kann die geldpolitische Wirksamkeit erhöhen. Und deshalb, so Lipfert, war es seit jeher der Bundesbank kommunikativ wichtig, Markterwartungen und Inflationserwartungen zu lenken, Rechenschaft über ihr Tun abzulegen und damit Vertrauen in die Institution zu stärken. Joachim Nagel, der amtierende Bundesbankpräsident, sei dafür ein Garant ebenso wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Viele Themen – und viele Sprachen
Neben der Geldpolitik prägen Themen wie Bargeld, Bankenaufsicht, Statistik, Gold und Goldreserven sowie der digitale Euro die Kommunikation der Bundesbank. In Lipferts Verantwortungsbereich, der Bürgerkommunikation, geht es vor allem darum, neue Zielgruppen zu erreichen: junge Menschen, Familien – aber auch die Finanz- und Wirtschaftsszene in Frankfurt. Die Bandbreite reicht dabei vom Kinderbuch bis zu Großformaten wie Tagen der offenen Tür, zu denen teils bis zu 20.000 Besucherinnen und Besucher kommen.
Euro-Pavillon: After-Work-Dialog und VR-Erlebnis
Der Euro-Pavillon ist Dreh- und Angelpunkt der Bürgerkommunikation. Neue Formate werden hier etabliert, etwa „After Work“-Abende oder das Sonderformat „Finance Flash live“. Ziel ist ein Angebot für Menschen, die nach der Arbeit noch einen informativen Austausch suchen – ohne hohe Hürden, aber mit Substanz.
Auch digitale Erzählformen spielen eine Rolle: So wurde ein VR-Film zur Geschichte und Arbeit der Bundesbank entwickelt, den einige BdKom-Mitglieder am Ende des Abends selbst mit einer VR-Brille ausprobieren konnten. Highlight des Films ist ein Blick in den Goldtresor der Bundesbank.
Jugendfestival ohne PowerPoint – aber mit Influencern
Seit 2019 veranstaltet die Bundesbank auch ein eigenes Jugendfestival („Euro 20plus“), entwickelt von jungen Kolleginnen und Kollegen. Das Konzept: „Entertainment und Information verbinden – ohne klassische Reden und ohne PowerPoint“ sagt Lipfert. Im Vordergrund stehen lockere Diskussionen mit hochrangigen Gästen; Öffentlichkeit und Medien sind zugelassen, die Veranstaltung ist live. Für die Kommunikation ist das anspruchsvoll, zugleich aber ein starkes Signal für Offenheit.
Zur Reichweitensteigerung arbeitet die Bundesbank hierbei auch mit Influencern zusammen. Lipfert berichtete, dass sich deutlich mehr Frauen anmelden, wenn gezielt Influencerinnen eingebunden werden.
Zum Ausklang nutzten die BdKom-Mitglieder die Gelegenheit zum informellen Austausch bei kleinen Snacks – und nahmen neben neuen Impulsen zur Notenbankkommunikation auch einen konkreten Eindruck mit, wie die Bundesbank ihren Dialogauftrag in ihrem Übergangsstandort mitten in der Stadt umsetzt.
