
Die Art, wie wir Informationen im Internet suchen, verändert sich. KI-Chatbots liefern Antworten statt Links und verdrängen mittelfristig klassische Websites. Innovationsstratege Stefan Grill erklärte Mitte Juni 2025 in einer Denkfabrik der BdKom-Landesgruppe Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland, was das für Websites und die Kommunikationsstrategien von morgen bedeutet.
Herr Grill, googeln wir in fünf Jahren noch wie heute? Wahrscheinlich schon, aber nicht mehr so stark. Die Suchmaschinen der nächsten Generation – etwa Perplexity oder you.com – liefern nicht mehr zehn Links, sondern direkt Antworten. Und die großen Anbieter wie Open AI und Google ziehen bereits nach. Möglich machen das KI-Modelle wie GPT-4, die mit sogenannten RAG-Systemen kombiniert werden. Damit wird nicht mehr nur gesucht, sondern auch erklärt.
Was bedeutet das für die Sichtbarkeit von Websites? Websites rutschen aus User-Sicht in die zweite Reihe. Die Antworten kommen oft, ohne dass User überhaupt eine Website besuchen. Damit verlieren Website-Betreibende die Kontrolle über ihr Wissen und den Kontakt zu ihrer Zielgruppe, wenn sie nicht gegensteuern.
Was kann man tun? Indem man die neuen Gewohnheiten adaptiert und eigene Chatbots auf der Website einsetzt. Diese sogenannten RAG-Systeme ermöglichen Antworten in natürlicher Sprache, aber eben auf Basis der eigenen Inhalte. So bleibt die Informationshoheit erhalten und das Nutzererlebnis wird spürbar besser. Zur Erklärung: Retrieval Augmented Generation (RAG) ist ein KI-Verfahren, das die Stärken von Suchmaschinen mit den generativen Fähigkeiten von Large Language Models (LLMs) verbindet. So können eigene Datenbestände, wie beispielsweise eine Dokumentensammlung, durchsuchbar gemacht werden. Die Antworten generiert dann das LLM. Wenn man damit die eigene Website anreichert, wird das Nutzererlebnis an die neuen Suchgewohnheiten der KI-Zeit angepasst.
Wie kann ein Chatbot auf der eigenen Website helfen? Er fungiert als intelligentes Interface, das Fragen direkt und verlässlich auf Basis eigener Daten beantwortet. Damit holen wir die User zurück und werten die Website funktional auf. Wichtig ist: Der Chatbot sollte nicht „allwissend“ sein wollen, sondern sich klar auf die Beschäftigung mit dem Content auf der eigenen Website fokussieren.
Was raten Sie Kommunikationsverantwortlichen? Den kommenden Paradigmenwechsel ernst zu nehmen. Die neue Internetnutzung erfordert neue Interfaces, und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt. Chatbots auf der Website allein reichen nicht aus. Wer vorbereitet sein will, braucht eine integrierte Kommunikationsstrategie, die einerseits die Sichtbarkeit in den neuen KI-Suchmaschinen erhöht und andererseits die User über eigene Kanäle wie einen Website-Chatbot bindet.
Die Fragen stellte Oliver Claas
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