Nachbericht Besuch SCHOTT Mainz

Home Blog Nachbericht Besuch SCHOTT Mainz
Gruppenfoto von 30 Personen in roten Laborkitteln vor dem "WORLD OF SCHOTT"-Schild.

Schmelzen bei 1700 Grad - Einblicke in die Welt des Spezialglases

Wenn ein Traditionsunternehmen wie SCHOTT seine Türen für die BdKom-Landesgruppe Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland öffnet, ist das mehr als nur eine Werksführung. Es ist eine Reise in eine Welt, in der Hightech und Handwerk, Innovation und jahrzehntelange Erfahrung aufeinandertreffen. Und zugleich ist es ein Treffen, das den Weg in die Zukunft der Kommunikation mit vielen KI-Anwendungen aufzeigt.

 

Am 18. November kamen knapp 30 Mitglieder des Landesverbands in Mainz zusammen, um im ersten Teil des Abends den wohl bekanntesten Spezialglashersteller der Welt hautnah zu erleben. SCHOTT ist ein Traditionskonzern: gegründet 1884, heute mit 17.400 Mitarbeitenden in über 30 Ländern vertreten, 2,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und jährlich 450 Millionen Euro Investitionen. Ein echtes Schwergewicht der Branche. Das Mainzer Werk ist seit 1951 in Betrieb und mit 3.100 Mitarbeitenden einer der wichtigsten Standorte. Es beeindruckt schon durch seine Dimensionen. Wer die Produktionshallen betritt, spürt sofort: Hier wird nicht nur Glas gemacht, hier wird Zukunft gestaltet.

 

Teil 1: Ein rotglühender Teppich aus Glas

Nach einer Einführung in die SCHOTT-Geschichte im Ausstellungszentrum des Unternehmens durch Salvatore Ruggiero, Vice President Marketing and Communication, führt der Rundgang in eine der gewaltigen Hallen, in der eine Schmelzwanne steht – ein Koloss, mehrere Häuser groß und vielmehr eine vollautomatisierte Produktionslinie als eine simple Wanne. Auffällig dabei: Während in der Schmelze 1.700 Grad herrschen, bleibt die Halle überraschend kühl. „Die Hitze muss im Ofen bleiben, um die Energie bestmöglich zu nutzen“, erklärt Produktionsleiter Klaus Schönberger. Ein Blick in die Schmelze ist daher nicht möglich, aber dort, wo das bereits auf 1.300 Grad abgekühlte Rohglas wie ein endloser rotglühender Teppich herauskommt und zwischen zwei Walzen zu einem endlosen Band gepresst wird, erahnt man die Intensität dieses Herstellungsprozesses. Das wichtigste Element dafür, neben Sand und Kalk, ist Lithium, erfahren die Besucherinnen und Besucher – und dass es dafür keine Alternative gibt. Deshalb waren und sind Unternehmen wie SCHOTT sowohl von den aktuellen Lieferkettenproblemen als auch von den stark gestiegenen Energiepreisen betroffen.

Eine solche Schmelzwanne muss mehrere Jahre ununterbrochen laufen, erläutert Klaus Schönberger – trotz extremer Temperaturen und korrosiver Schmelze. Aus dem Rohglas werden nach der Abkühlung Platten geschnitten, die später zum Beispiel zu Ceran-Kochfeldern oder pharmazeutischen Gläsern weiterverarbeitet werden. Dazu wird das Rohglas geschnitten, geschliffen und schließlich mit einer Farbschicht versehen – aus transparentem Material wird so das elegante, dunkle Ceran-Kochfeld, das in Millionen Küchen weltweit zu finden ist. Aber es gibt auch weitere, besonders beeindruckende Spezialgläser aus dem Hause SCHOTT, etwa ultradünnes Glas, das sich tatsächlich um den Finger wickeln lässt. Und auch das Thema Kreislaufwirtschaft kommt nicht zu kurz: Glasscherben, die in der Produktion anfallen, werden wieder eingeschmolzen. SCHOTT arbeitet zudem in Pilotprojekten daran, künftig auch gebrauchte Ceran-Kochfelder zu recyceln.

 

Teil 2: Kommunikation mit KI – ein Blick in die Zukunft

Nach dem Rundgang wechselt die Gruppe in eine Diskussion mit David Willmes, Head of Media Distribution and Campaigning. Seine Aufgabe: Die Kommunikation und das Marketing des Gesamtkonzerns mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz in neue Bahnen zu lenken, AI-Anwendungen zu testen und einzuführen. Als kleiner „Appetizer“ begrüßt ein Avatar von Willmes die Gruppe – und es ist verblüffend, wie leicht dieses Video erstellt werden konnte und wie lebensecht es rüberkommt. „KI soll uns helfen, Kommunikation und Marketing effizienter und kreativer zu gestalten“, sagt Willmes. Vieles davon sind Test-runs, die zunächst nur intern verwendet werden – etwa ein Video, in dem der SCHOTT-Vorstandschef plötzlich fließend Chinesisch spricht. Bei den Mitarbeitenden in China sei das sehr gut angekommen, sagt Willmes, aber für die dortigen Kunden würde man einen solchen „Fake“ nicht verwenden. Es werde eine Zeit kommen, in der Kommunikationstools selbstverständlich mit KI-Agenten verknüpft werden. Schon heute sei es möglich, sich einen Social-Media-Agenten zu programmieren, der den Markt nach Innovationsthemen scannt und einem pro Woche drei Posts dazu schreibt, so Willmes weiter.

 

Generell gehe es jetzt darum, die richtigen KI-Anwendungsfelder zu identifizieren und auszuprobieren. „Es sind die einfachen, wiederkehrenden und datenintensiven Aufgaben“, beschreibt es Willmes. Der Einsatz von KI-Agenten biete faszinierende Möglichkeiten, aber auch das muss erlernt werden. Kein Wunder also, dass auch für die SCHOTT-Kommunikation gilt: den Mitarbeitenden Mut machen und sie in KI-Anwendungen schulen, ist vielleicht das wichtigste Gebot, um den Weg in die KI-Zukunft erfolgreich begehen zu können.

 

 

Präsentation mit Folie zu "Accepting change and mind dimensions", Vortragender steht vorne im Raum.